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Distanzen, Intensitäten und der Ball


Das Aktivitätsprofil eines Fußballspielers.

Spielfeldlinie

Um die physische Belastung eines Fußballspielers während Wettbewerbsspielen zu verstehen, ist es wichtig, sich einen Überblick über Aktivitätsprofile, absolvierte Distanzen, Intensitätsbereiche und die Energiesysteme zu verschaffen (Di Salvo et al., 2007).

Distanzen

So absolvieren Fußballer im Spiel durchschnittliche Distanzen von 10 bis 12 Kilometern mit Spitzenwerten von 14 Kilometern (Mohr et al., 2003; Di Salvo et al., 2007; Bradley et al., 2009) und absolviert dabei ein breites Spektrum an Laufintensitäten, wofür ein hohes Maß an Ausdauer die Basis darstellt (Mohr et al., 2003; Di Salvo et al., 2007; Bradley et al., 2009).

Interessanterweise sind im Hinblick der absolvierten Distanz keine signifikanten Unterschiede zwischen professionellen Spielern und Amateurspielern zu erkennen. Es gibt jedoch Unterschiede zwischen Profis und Amateuren im Anteil der hochintensiven Belastungen. Das heißt, dass Spielanteile mit Laufgeschwindigkeiten über 15 km/h bei den professionellen Fußballern signifikant öfter vorkommen und bestritten werden (Bangsbo, 1994).

Vielzahl kurzer Aktivitäten

Je höher die Ausdauerleistungsfähigkeit, desto länger kann der Ermüdung getrotzt werden und hohe Intensitäten können aufrechterhalten werden (Helgerud et al., 2001). Neben Laufleistungen wird eine Vielzahl weiterer Aktionen absolviert. Stolen et al. (2005) beziffert die Anzahl der kurzen Aktivitäten, die ein Spieler während eines Spiels ausführt, mit 1000 – 1400. Diese ändern sich alle 4-6 Sekunden. Darunter fallen Sprints, hochintensive Läufe, Tacklings, Kopfbälle, Ballkontakte, Pässe, Richtungsänderungen und Geschwindigkeitsänderungen.

Bei der Interpretation der erhobenen Daten muss berücksichtigt werden, dass Umweltfaktoren, eingesetzte taktische Systeme, Heimvorteil, Wichtigkeit des Spiels und vorhergehende Resultate einen wesentlichen Einfluss nehmen können (Bradley et al., 2009). Mohr et al. (2003) konnte hinsichtlich physischer Leistung große Veränderungen im Saisonverlauf erfassen.

Enorme Entwicklung der absolivierten Meter

Die zurückgelegten Distanzen eines Fußballspielers haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich gesteigert. Während Winterbottom (1952) in Stolen et al. (2005) lediglich 3361 Meter an zurückgelegter Distanz pro Spiel gemessen hat, haben Knowles & Brooke (1974) in Stolen et al. (2005) bereits 4834 Meter aufgezeichnet. Samros (1979) in Stolen et al. (2005) hat bereits 7100 Meter gemessen und Rienzi et al. (2000) konnte eine Laufleistung von 10104 Metern erheben. Aktuellere Studien zeigen durchschnittliche Distanzen von 10 bis 12 Kilometern mit Spitzenwerden von 14 Kilometern (Mohr et al., 2003; Di Salvo et al., 2007; Bradley et al., 2009).

Bei einer Untersuchung von 18 Spitzenspielern und 24 Profispielern auf durchschnittlichem Niveau in insgesamt 129 Wettbewerbsspielen konnte Mohr et al. (2003) eine durchschnittliche Distanz von 10,86 km bei Spitzenspielern und 10,33 km bei durchschnittlichen Profispielern erfassen.

Di Salvo et al. (2007) konnte bei einer Untersuchung von 20 Spielen der ersten spanischen Liga und 10 Champions League Spielen mit insgesamt 20 Feldspielern eine durchschnittliche Gesamtdistanz unabhängig der Spielposition von 11.393 Metern erfassen. Der Höchstwert lag sogar bei 13.746 Metern. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Bradley et al. (2009) bei einer Untersuchung von 28 Spielen der Englischen Premier League. Er erfasste eine durchschnittliche Distanz von 10.714 Metern.

Positionsspezifische Unterschiede

Die Gesamtdistanz von Mittelfeldspielern, Außenverteidiger und Angreifer war über die gesamte Spielzeit gesehen höher als jene der Innenverteidiger (Mohr et al., 2003, Di Salvo et al., 2007). Nach einer Studie von Bradley et al. (2009) absolvierten äußere Mittelfeldspieler mit 11.535 Metern die höchste Distanz, gefolgt von zentralen Mittelfeldspielern (11.450 m), Außenverteidigern (10.710 m), Angreifern (10.314 m) und Innenverteidigern (9.885 m).

Der Großteil der Laufstrecke in einem Spiel wird ohne Ball zurückgelegt. Nur einen kleinen Prozentsatz von 1,2 bis 2,4 Prozent absolviert ein Spieler mit dem Ball. Umgerechnet ist das ein Bereich zwischen 119 und 286 Metern pro Spieler. Die äußeren Mittelfeldspieler legen dabei eine signifikant längere Distanz mit dem Ball zurück, als Spieler auf anderen Positionen. Bei zentralen Abwehrspielern ist es genau umgekehrt (Di Salvo et al., 2007).

Geschwindigkeiten und Beschleunigungen

Die Fähigkeit zu Beschleunigen und eine maximale Laufgeschwindigkeit zu erreichen, ist eine wesentliche Komponente von spielentscheidenden Situationen im Fußball. Internationale Topspieler erreichten bei einer Studie maximale Geschwindigkeiten von knapp 28 km/h (Bradley et al., 2009b).

Die maximale Laufgeschwindigkeit, welche in einem Spiel erreicht wird, ist bei äußeren Mittelfeldspielern und Angreifern um 6-8% höher als bei zentralen Verteidigern. Ein Grund dafür könnte die Länge der hochintensiven Läufe sein. Diese sind bei äußeren Mittelfeldspielern am längsten und Folge dessen haben sie länger Zeit eine maximale Geschwindigkeit zu erreichen (Bradley et al., 2009a).

Die höchsten Geschwindigkeiten pro Spiel sind sehr positionsabhängig und werden von äußeren Mittelfeldspielern, Außenverteidigern und Angreifern erreicht. Die Beschleunigung war am höchsten, wenn Spieler aus niedrig intensiven Aktionen in den Sprint wechselten (Bradley et al., 2009b).

Intensitätsbereiche

Bradley et al. (2009) hat bei einer Untersuchung von 28 Spielen der Englischen Premier League erfasst, dass sich die Spieler unabhängig von ihrer Position durchschnittlich 5,6% der gesamten Spielzeit im stehenden Zustand (0,0-0,06 km/h) befinden. Niedrig intensive Aktivitäten machen 85,4% der gesamten Spielzeit aus und bestehen zu 59,3% aus Gehen (0,7-7,1 km/h) und 26,1% aus Joggen (7,2-14,3 km/h). Auf hochintensive Läufe entfallen lediglich 9% der gesamten Spielzeit. In diese Kategorie entfallen 6,4% auf Laufen (14,4-19,7 km/h), 2,0% auf Schnelles Laufen (19,8-25,1 km/h) und 0,6% auf Sprinten (>25,1 km/h).

Die körperliche Leistung und die Aktionen im Spiel stehen eng im Zusammenhang mit den Anforderungen der Spielposition. Wie in der unten folgenden Tabelle ersichtlich, legen Innenverteidiger im Vergleich zu Außenverteidigern, Mittelfeldspielern und Angreifern die geringste Distanz an hochintensiven Läufen zurück (Mohr et al., 2003; Bradley et al., 2009). In der Studie von Bradley et al. (2009) ergeben sich für die einzelnen Spielpositionen nachfolgende Werte. Äußere Mittelfeldspieler (3.138 m) absolvieren eine höhere Distanz an hochintensiven Läufen (> 14,4 km/h) als zentrale Mittelfeldspieler (2.825 m), Außenverteidiger (2.605 m), Angreifer (2.341 m) und Innenverteidiger (1.834 m).

Des Weiteren konnte Bradley et al. (2009) erfassen, dass äußere Mittelfeldspieler (346 m), Außenverteidiger (287 m) und Angreifer (264 m) eine größere Distanz sprintend zurücklegen, als zentrale Mittelfeldspieler (204 m) und Innenverteidiger (152 m). Dies bestätigen auch Erhebungen von Mohr et al. (2003) und Di Salvo et al. (2007).

Die Intensitäten sind vom Spielniveau abhängig. Absolute Topspieler absolvieren sowohl mehr niedrig intensive Läufe als auch mehr hochintensive Läufe im Vergleich zu Profispielern auf einem weniger hohen Level. Diese Erkenntnis legt nahe, dass Fußball auf höchstem Level durch die Fähigkeit des Spielers charakterisiert werden kann, hochintensive Arbeit wiederholt zu absolvieren (Mohr et al., 2003). Auch Untersuchungsergebnisse von Bradley et al. (2009) zeigen einen um 10-15 Prozent höheren Anteil an hochintensiven Läufen in der Englischen Premier League im Vergleich zu dänischen und schwedischen Profispielern.

Carling (2010) untersuchte 30 Spiele der französischen ersten Liga hinsichtlich der Intensitätsbereiche von Läufen in Ballbesitz. Die Spieler absolvierten eine durchschnittliche Distanz von 191 Metern mit dem Ball. Insgesamt 34,3% der Läufe wurden in Geschwindigkeiten über 19,1 km/h gelaufen, 25,6% zwischen 11,1 und 19,0 km/h, 12,5% zwischen 11,1 und 14 km/h und 27,6% unter 11 km/h.

Ermüdung im Laufe des Spiels

Ermüdungtritt sowohl vorübergehend im Laufe des gesamten Spiels, als auch gegen Ende des Spiels auf. Diese Erkenntnis ist unabhängig vom Leistungslevel und der Spielposition (Mohr et al., 2003). Gründe für die reduzierte Leistungsfähigkeit können die Entleerung der Glykogenvorräte in der Muskulatur, Dehydration in einer heißen und feuchten Umgebung oder auch verminderte zerebrale Funktionen sein (Mohr, 2005; Reilly, 2008).

Die körperliche Leistungsfähigkeit ist nach einer Phase mit hohem Anteil an hochintensiven Läufen reduziert. Nach einer 5-minütigen Phase mit dem höchsten Anteil an hochintensiven Läufen absolvieren Spitzenspieler signifikant weniger hochintensive Läufe. Das trifft auch auf Spieler mit niedrigerem Niveau zu und wird durch eine unveröffentlichte Studie mit Amateurspielern bestätigt (Mohr et al., 2003). Bei einer Untersuchung von Bradley et al. (2009b) betrug die durchschnittliche Erholungszeit zwischen sehr hochintensiven Läufen 70 Sekunden und war unabhängig vom Spielniveau. Die Erholungszeit erhöhte sich in der zweiten Halbzeit um 15 Prozent und war in den letzten 15 Minuten des Spiels um 28 Prozent größer als in den ersten 15 Minuten des Spiels.

Es besteht eine Reduktion der hochintensiven Läufe in der zweiten Spielhälfte. In den letzten 15 Minuten eines Spiels wird der geringste Anteil an hochintensiven Läufen absolviert. Diese Effekte sind aufgrund der Ermüdung naheliegend und unabhängig der Spielposition (Mohr et al., 2003; Bradley et al. 2009). Das Ausmaß der Reduktion konnte Bradley et al. (2009) mit rund 20 Prozent berechnen und gilt sowohl für Läufe mit dem Ball als auch ohne. Diese Erkenntnis weist auf eine Auswirkung der Ermüdung auf alle Bereiche des Spiels hin.

Dass Einwechselspieler einen um 25% höheren Anteil an hochintensiven Läufen am Ende eines Spiels vorzuweisen haben, unterstützt die Vermutung der Ermüdung (Mohr et al., 2003).

Nicht nur die Intensität, sondern auch die gesamt absolvierte Distanz ist in der zweiten Halbzeit geringer als in der ersten Halbzeit (Rienzi et al., 2000; Mohr et al., 2003). Di Salvo et al. (2007) konnte eine durchschnittliche Laufleistung von 5709 Metern in der ersten Halbzeit und 5684 Metern in der zweiten Halbzeit erfassen. Dieser minimale Unterschied ist jedoch nicht signifikant. Mit einer Distanz von 5422 Metern in der ersten Spielhälfte und 5292 Metern in der zweiten Spielhälfte kam Bradley et al. (2009) auf einen ähnlichen minimalen Unterschied.

 

Quellen

Bangsbo, J. (1994) The physiology of soccer with special reference to intense intermittent exercise. Acta physiologica Scandinavia Supplementum, 619, 1-155. 

Bradley, P. S., Krustrup, P., & Olsen, P. (2009). High-intensity running in English FA Premier League Soccer Matches. Journal of Sports Sciences, 27(2), 159-168.

Bradley, P. S., Di Mascio, M., Peart, D., Olsen, P., & Sheldon, B. (2009) High-Intensity Activity Profiles of Elite Soccer Players at different performance levels. Journal of Strenght and Conditioning Research, 24(9), 2343-2351.

Carling, C. (2010). Analysis of physical activity profiles when running with the ball in a professional soccer team. Journal of Sports Sciences, 28(3), 319-326.

Di Salvo, V., Baron, R., Tschan, H., Calderon Montero, F. J., Bachl, N., & Pigozzi, F. (2007). Performance characteristics according to playing position in elite soccer. International Journal of Sports Medicine, 28(3), 222-227.

Helgerud, J., Engen, L., Wisloff, U., & Hoff, J. (2001). Aerobic endurance training improves soccer performance. Medicine & Sciences in Sports & Exercise, 33, 1925-1931.

Mohr, M., Krustrup, P., & Bangsbo, J. (2003). Match performance of high-standard soccer players with special reference to development of fatigue. Journal of Sports Sciences, 21, 519-528.

Reilly, T., Drust, B., & Clarke, N. (2008). Muscle Fatigue during Football Match-Play. Sports Medicine, 38(5), 357-367.

Rienzi, E., Drust, B., Reilly, T., Carter J., & Martin, A. (2000). Investigation of anthropometric and work-rate profiles of elite South American international soccer players. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 40(2), 162-169.

Stolen, T., Chamari, K., Castagna, C., & Wisloff, U. (2005). Physiology of Soccer. An update. Sports Medicine,35(6), 501-536.