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Wiederaufwärmen in der Halbzeitpause


Ein Baustein zum Erfolg für deine Mannschaft.

Was bringt ein Wiederaufwärmen in der Halbzeit im Fußball

Das Wiederaufwärmen in der Halbzeitpause findet im Spielbetrieb derzeit so gut wie keine Anwendung. Wir setzen diese Maßnahme seit Jahresbeginn im Amateurbereich in unserer Kampfmannschaft beim SC Oberpullendorf um und haben sehr positive Erfahrung damit gemacht. Es bedarf jedoch viel Überzeugungsarbeit bei den Spielern und nicht selten werden wir von Gegenspielern, Trainern und Fans skeptisch beobachtet, wenn wir in der Halbzeitpause ein gemeinsames Aufwärmprogramm absolvieren. Ich möchte mich im nachfolgenden Beitrag mit dem Thema auseinandersetzen und unter anderem mögliche Effekte aufzeigen. Nachfolgend wird der Status Quo der Halbzeitroutine beleuchtet. 

Nach einer Studie von Towlson et al. (2013) erreichen die Spieler etwa 2 Minuten nach Pausenbeginn die Kabine. Die gesamte "passive" Zeit in der Halbzeit summiert sich auf etwa 13 Minuten. Für das Wiederaufwärmen bleiben also letztlich etwa 2 Minuten zur Verfügung. Und das auch nur, wenn der Schiedsrichter die gesamten 15 Minuten Halbzeitpause einhält. Dies kommt im Amateurbereich erfahrungsgemäß eher selten vor.

Welche Aktivitäten werden in der Halbzeitpause vorrangig durchgeführt?

  • Weg in die Umkleidekabine
  • Videoanalyse
  • Adjustierung des Equipments
  • Individuelle Vorbereitung der Spieler
  • Spieler-Trainer-Diskussionen
  • Nahrungsaufnahme
  • Medizinische Betreuung
  • Taktische Anweisungen

Die Spieler versuchen sich primär geistig von den kognitiven und physischen Anforderungen der ersten Halbzeit zu erholen. Die typische passive Natur dieser Handlungen wird mit physiologischen Veränderungen in Verbindung gebracht, die die Leistung während der zweiten Halbzeit beeinträchtigen. Sowohl die kognitive, als auch die körperliche Leistungsfähigkeit hat sich zu Beginn der zweiten Halbzeit als reduziert erwiesen. [4]

Wiederaufwärmen in der Halbzeitpause erhöht die Leistungsfähigkeit bei männlichen Profispielern

Eine Studie von Edholm, Krustrup und Randers (2014) untersuchte die Auswirkung eines Aufwärmprogramms in der Halbzeitpause bei 22 Profispielern. Die Spieler absolvierten in einer "Crossover" Studie entweder ein traditionell passives Programm in der Halbzeitpause, während die anderen ein gering intensives Wiederaufwärmen absolvierten. Vor- und nach der ersten Halbzeit sowie zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde die maximale Sprint- und Sprungleistung erfasst. Dies wurde mittels einer Bewegungsanalyse durchgeführt. Bei der "Passiv-Gruppe" war die Sprintleistung zu Beginn der zweiten Halbzeit um 2,6% und die Sprungleistung um 7,6% reduziert. Bei der "Wiederaufwärm-Gruppe" konnte die Sprintleistung gehalten werden und die Sprungleistung war lediglich um 3,1 Prozent reduziert. Zudem hatte die "Wiederaufwärmgruppe" mehr Ballbesitz zu Beginn der zweiten Halbzeit. 

In den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit konnten ebenfalls ein ein gesteigertes Verletzungsrisiko erfasst werden.

Was können mögliche Gründe dafür sein?

Diese Beobachtungen können auf verschiedene Gründe zurückzuführen sein. 

Eine reduzierte Muskeltemperatur korreliert mit einer reduzierten Sprintleistungsfähigkeit während eines Fußballspiels. Ein 35-minütiges Aufwärmprogramm vor dem Spiel führt zu einem Anstieg der Muskeltemperatur von etwa 3 Grad im Vergleich zur Ruhe. Dieser Anstieg reduziert sich bei einer "passiven" Halbzeitpause wieder um 2 Grad. Wir ein 7-minütiges gering intensives Wiederaufwärmprogramm durchgeführt, reduziert sich die Muskeltemperatur nur um 0,5 Grad. Die Sprintleistung konnte deshalb auf einem gleichen Level gehalten werden. [3]

Thomas Mohr über Erfahrungswerte aus der Praxis

Mohr ist ein großer Befürworter des Wiederaufwärmens in der Halbzeitpause. Er greift dabei auf keine wissenschaftlichen Studien zurück, sondern auf Erfahrungswerte aus der Praxis. Er streicht in seinen Ausführungen vor allem die mentale Bereitschaft und die Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems hervor. Startet man zu schnell in die zweite Halbzeit, ohne den Puls hochzufahren, hat man am Ende der zweiten 45 Minuten muskuläre Probleme. Overpaced würde man diese Tatsache im Boxen nennen.

Auch die Sprintleistung ist durch ein Wiederaufwärmen erhöht. Umso mehr eine Mannschaft fähig ist zu sprinten, desto länger kann sie die Taktik aufrecht erhalten. Und gegen Ende des Spiels den Gegner an die Wand spielen. Zudem ist die Verletzungsgefahr erhöht, wenn ein Spieler gegen Ende des Spiels nicht mehr fähig ist zu sprinten. Natürlich gewinnt man mit mehr Sprints nicht automatisch ein Spiel. Aber die Chancen auf Tore und Torchancen sind erheblich höher. 

Fazit

Die unten angeführten wissenschaftlichen Studien und noch viel wichtiger, die Erfahrungen aus der Praxis zeigen sehr deutlich, dass ein Wiederaufwärmprogramm in der Halbzeitpause unbedingt durchgeführt werden sollte. Dieser Beitrag ist nur ein kleiner Abriss aller Studien. Wer sich mit diesem Thema intensiver auseinandersetzten möchte, der sollte unten angeführte Studien lesen und Erfahrungen in der Praxis machen. 

 

MANUEL WEBER

Literatur

[1] Towlson, Ch., Midgley, A. & Lovell R. (2015). Warm-up strategies of professional soccer players: practioners´perspectives. Journal of Sport Scineces.

[2] Edholm, P., Krustrup, P. & Randers, M. (2014) Half-time re-warm up increases performance capacity in male elite soccer players. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports

[3] Racinais, S., Cocking, S. & Périard, J. (2017). Sports and environmental temperature: From warming-up to heating-up. Temperature

[4] Russel, M., West, D, Harper, L., Cook Ch. & Kilduff, L. (2014). Half-time strategies to enhance second-half performance in team-sports: A review and recommendations. Sports Medicine.