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Fortbildung: Regeneration im Profifußball


Messen und Steuern.

NEO FOOTBALL: Fortbildung Regeneration im Profifußball

Prof. Tim Meyer gehört seit 2001 zum Ärzteteam der deutschen Nationalmannschaft und ist seit 2008 ärztlicher Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes.

Am 01. September war er im Zuge einer Fortbildung der BSPA Wien auf der Schmelz und hat über das Thema „Regeneration im Profifußball – Messen und Steuern“ referiert. Etwa 30 interessierte Teilnehmer hatten sich dabei im Hörsaal 2 eingefunden und waren mit großen Erwartungen angereist. Der Vortrag hat um 09:00 Uhr begonnen und bis 17:00 Uhr gedauert.

Am Vormittag war der Schwerpunkt, den Grad der Ermüdung zu messen, während am Nachmittag gängige Verfahren zur Regeneration behandelt wurden.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde des Vortragenden und allen Fortbildungsteilnehmern wurde mit der Thematik begonnen. Der erste wesentliche Begriff war jener des Übertrainings. Was versteht man eigentlich darunter?

Klarerweise sollte Übertraining vermieden werden. Es handelt sich dabei aber um einen Begriff, der vor allem in Langstreckenausdauersportarten vorkommt, weniger jedoch im Fußball. Der Vollständigkeit halber aber eine kurze Begriffsdefinition:

  • Übertraining ist ein Zustand, der über mehrere Wochen anhält.
  • Es kommt zur Leistungsstagnation oder Abnahme der Leistungsfähigkeit.
  • Übertraining kommt vor allem in Sportarten mit großen Umfängen und Monotonie vor.
  • Mangelnde Erholtheit ist noch keine Form von Übertraining.

Ein kritischer Zeitpunkt ist vor allem im späten Jugendalter, wenn vielfältige Einflüsse wie Schule, Leistungsdruck und körperliche Entwicklung aufeinandertreffen.

Der Grad der Erholung kann auf vielfältige Art ermittelt werden. Man spricht von verschiedenen Ebenen der Erschöpfung. Diese laufen meist nicht parallel ab und sind von Sportart zu Sportart unterschiedlich. Die Ermüdung kann auf verschiedenen Ebenen auftreten:

  • Muskulär
  • ZNS (zentrales Nervensystem)
  • vegetatives Nervensystem
  • Psyche (mentale Ermüdung)
  • Stützapparat
  • Hormonsystem

Der Grad der Erholung muss im Teamsport sehr individuell betrachtet werden. Was bei einem Spieler erfasst und angewandt werden kann, muss nicht zwingend bei einem anderen Sportler ebenso sein. Die perfekten Parameter zur Messung der Ermüdung/Erholung gibt es zudem nicht. Entscheidend sind oft mehrere Parameter, die erfasst und individuell bewertet werden.

Begriffe die dabei behandelt wurden sind der CK-Wert, HF-Variabilität, Ruhepuls, Harnstoff (UREA), Testosteron-Cortisol Ratio, Laktat, Subjektives Belastungsempfinden, GPS,…

Am Nachmittag standen regenerationsfördernde Maßnahmen im Vordergrund. Behandelt wurden dabei folgende Begriffe in angeführter Reihenfolge:

  • Ernährungsstrategien
  • Kaltwasserimmersion
  • Schlaf
  • Aktive Erholung
  • Stretching
  • Kompressionskleidung
  • Massage
  • EMS

Die Reihenfolge der Begriffe ist nicht nach deren Nutzen, sondern nach der wissenschaftlichen Arbeit von Nédélec (Nédélec et al., Sports Med 2013) angelegt. HIER DER LINK ZUR STUDIE.

Die einzelnen Bereiche wurden intensiv diskutiert und zu jedem Bereich wurden Ergebnisse von mehreren Studien präsentiert. Auch Meta-Studien waren zu einzelnen Themen dabei.

Für mich waren aufgrund meiner Ausbildung eher wenig neue Erkenntnisse dabei. Es war eher eine Bestätigung bisher bekannter Thematiken. Trotz der Vielfalt an Maßnahmen kann gesagt werden, dass die einzigen beiden wirklich hilfreichen Maßnahmen die Ernährung und der Schlaf sind. Alle anderen Anwendungen haben eher geringe Auswirkungen bzw. sind wissenschaftlich nicht oder nur sehr gering nachweisbar.

Die Regenerationsmaßnahmen müssen auf jeden Fall in jeder Phase angewendet und sehr individuell betrachtet werden. 

Manuel Weber